Braunauer Rundschau published a special report dedicated to her prodigal daughter, Irmgard Williams, in its LAST issue--December 25, 2008--after 130 years of the newspaper's life.
Article written by Klaus Buchholz
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Ihr Motto: "Steh auf und fang neu an!"
Sie konnte nur einen Satz Englisch und wanderte in die USA aus: Irmgard Williams
Von Mitarbeiter Klaus Buchholz
BRAUNAU, OXNARD.Als Irmgard Heißl in jungen Jahren beschloss, nach Amerika auszuwandern, sprach sie kaum ein Wort Englisch. Heute ist aus dem ambitionierten Mädchen, das einen Großteil ihrer Jugend in Braunau verbrachte, Frau Dr. Irmgard Williams geworden, Professorin für Linguistik und Englisch im sonnigen Kalifornien.
In einem sehr persönlichen, knapp zwei Stunden andauerndem Gespräch, gewährte die erfolgreiche Akademikerin Einblick in ihre Lebens- und Migrationsgeschichte.
1963 wurde Irmgard Heißl in Salzburg geboren. Ihre ersten drei Lebensjahre verbrachte sie in Riedersbach, die nächsten drei wohnte die vierköpfige Familie, die Austro-Amerikanerin hat noch eine fünf Jahre ältere Schwester, dann in St. Pantaleon. 1976 ließen sich die Eltern scheiden und Irmgard blieb bei ihrem Vater. Mittlerweile in Braunau angekommen, setzte sie ihre schulische Laufbahn in der HBLA Braunau fort und maturierte 1982.
Immer schon, erzählt sie, sei ihr Vater ein Vorbild für sie gewesen: "Er hat konsequent studiert und gearbeitet." Lange Jahre arbeitete er als Notar in Braunau, und in den Sommerferien half ihm seine Tochter bei der Arbeit. Zu ihrer Mutter hatte sie nach der Scheidung kaum Kontakt.
Nach dem Abschluss der HBLA heiratete Irmgard ihren damaligen Freund, doch bereits nach einem Jahr war die für sie "schlimme Ehe" zu Ende. Sie verlagerte ihren Wohnsitz nach Wien, denn sie wollte studieren und "unbedingt einen Titel" erlangen. Doch Studium und Stadt sollte sie nach ersten enttäuschenden Erfahrungen bald hinter sich lassen.
"Ich wusste, Österreich ist meine Endstation." Das Verhältnis zu ihren Eltern und zu ihrer Schwester wurde in dieser Zeit zunehmend konfliktreicher, und so verfestigte sich bei ihr der Wunsch, ein weiteres Mal den Lebensraum zu wechseln. Und schon bald stand auch ein Ziel fest: die USA.
Von ihrer Familie erhielt sie keine Unterstützung für ihre Vorhaben, doch aus der eigenen Motivation konnte sie die nötige Kraft schöpfen: "Ich wollte es selbst, ich wollte es alleine schaffen." Also arbeitete sie zwei Jahre lang, um das nötige Geld zu verdienen. Das Ziel waren die Vereinigten Staaten, und fest entschlossen nahm sie Kontakt mit Botschaft und Amerikainstitut auf. Nun musste sie sich intensiv vorbereiten und einige bürokratische Hürden meistern, um endlich jenseits des Atlantiks studieren zu können. Ein Hürde blieb allerdings dann nach dem Erlangen des Studentenvisums noch: Der Englischen Sprache war sie nicht mächtig. Auch das sollte sich ändern.
"How do you do?" - Ankunft in der neuen Welt
Am 9. April 1985 kam Irmgard nach Sacramento und damit begann ihr Leben als Amerikanerin. Ihre Englischkenntnisse waren zu diesem Zeitpunkt noch sehr dürftig gewesen, nur "How do you do?" hatte sie damals sagen können. Um an der Universität regulär zu studieren, musste sie einen Sprachtest absolvieren. Das Problem sei gewesen, dass sie in ihrem ersten Jahr in Amerika alles Wort für Wort übersetzt habe, aus Angst die deutsche Sprache und die österreichische Heimat zu verlieren.
Abermals arbeitete sie konsequent an der Verwirklichung ihrer Ziele und so bestand sie die Sprachprüfung und begann Englisch und Linguistik zu studieren. 1989 schaffte sie mit Auszeichnung Bakkalaureat, in dieser Zeit hatte sie auch zum ersten Mal Träume in englischer Sprache. 1992 erhielt sie schließlich das Doktorat in Linguistik.
Es war ihre "hellste Freude", wie sie selbst sagt, aber vor allem auch "eine Selbstbestätigung nach sieben Jahren harter Arbeit", was auch ihren stets misstrauischen Vater freute. In den ersten vier Jahren in Amerika habe sie keinen Kontakt zu ihrer Familie gehabt. "Ich hatte Selbstzweifel, aber ich habe immer an mich geglaubt.", sagt sie stolz und nach der Verleihung der akademischen Titel, bestanden schließlich keine Zweifel mehr an der Qualität ihrer Sprachkenntnisse.
"Amerika gibt dir eine Chance. Wenn du dir selber hilfst, dann helfen dir die Amerikaner."
1992 war nämlich auch das Jahr in dem sie ihren Mann, Oliver B. Williams, Professor für Klinische Psychologie und Statistik in St. Barbara, kennenlernte. 1996 haben die beiden dann geheiratet. Heute hat das Paar eine siebenjährige Tochter. Gemeinsam mit den drei Söhnen, die der Gatte mit in die Ehe brachte,hat sie neben den beruflichen auch ihren persönlichen Ziele erreicht: "Ich wollte immer eine Familie und jetzt habe ich sie."
Wenn sie an Österreich denkt, vermisst sie vor allem eine intakte Familie und ein "normales Zuhause". Gerade deshalb ist es ihr in ihrer jetzigen Lebenssituation so wichtig, möglichst viel Zeit mit der gemeinsamen Tochter zu verbringen.
Schon als Kind wollte sie "weg von Österreich" und nun ist sie, sichtlich glücklich, im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien angekommen. "Steh auf, fang neu an!", sei ein wichtiges Motto für sie geworden. Das zwischen Santa Barbara und Malibu liegende Haus am Strand, das sie nun mit ihrer Familie bewohnt, wird sie aber wohl nicht so schnell wieder verlassen. "Ich bin umgewurzelt. Ich werde in Amerika bleiben und sterben."